Fina Funkelstern, Fips und das Licht im Sternensee
Am nächsten Abend war Sternenwinkel besonders still.
Nicht so still, wie wenn niemand etwas sagte. Sondern so still, wie wenn die ganze Welt lauschte.
Die kleinen Dächer schlummerten unter einer dunkelblauen Nachtdecke, die Mondblumen hatten ihre weißen Blüten geöffnet, und über dem Flüsterwald lag ein silberner Schimmer. Nur der Sternensee funkelte nicht so hell wie sonst.
Fina Funkelstern merkte es sofort.
Sie saß auf der Fensterbank ihrer kleinen Funkelhütte, die Beine unter eine weiche Decke gezogen. In ihrem Haar glitzerten drei winzige Sterne, und neben ihr lag Fips, der kleine Funkelfuchs, zusammengerollt wie ein warmer, orangefarbener Traum.
Vor ihnen stand ein Teller mit Traumkeksen.
Oder besser gesagt: Dort hatte einmal ein Teller mit Traumkeksen gestanden.
Jetzt lagen nur noch drei Krümel darauf.
Fina schaute auf den Teller.
Dann schaute sie zu Fips.
Fips öffnete ein Auge.
„Was?“, fragte er.
„Fips.“
„Ich habe die Kekse bewacht.“
„Mit deinem Bauch?“
Fips hob den Kopf und dachte kurz nach.
„Das war die sicherste Methode.“
Fina musste lachen. Doch dann wurde ihr Blick wieder ernst. Sie sah hinaus zum Sternensee. Normalerweise leuchtete er nachts wie ein großes, ruhiges Auge voller Sterne. Heute aber lag er dunkel zwischen den Hügeln.
Nicht ganz dunkel.
Aber müde.
Als hätte jemand das Funkeln darin leiser gedreht.
Fips bemerkte Finas Blick.
„Du schaust schon wieder so“, sagte er.
„Wie denn?“
„So, als würdest du gleich sagen: Fips, wir müssen los.“
Fina lächelte ein wenig.
„Fips?“
Der kleine Fuchs seufzte.
„Ich wusste es.“
„Wir müssen los.“
Fips setzte sich auf und schüttelte sich. Seine Ohren wackelten, und die kleine Sternenspitze an seinem Schwanz begann ganz schwach zu glimmen.
„Wohin?“
Fina zeigte hinaus.
„Zum Sternensee.“
Fips schaute aus dem Fenster. Dann blinzelte er.
„Der sieht aber traurig aus.“
„Ja“, sagte Fina leise. „Und ich glaube, er braucht Hilfe.“
Fips sprang von der Fensterbank. „Dann sollten wir besser Mondmilch mitnehmen. Und Kekse.“
Fina schaute auf den leeren Teller.
Fips räusperte sich.
„Oder Krümel. Krümel sind auch Kekse. Nur kleiner.“
Fina nahm ihr Sternenlicht-Glas vom Regal. Seit dem verlorenen Wunsch hatte sie es immer griffbereit. Sie zog ihre kuschelige Strickjacke an, schlüpfte in ihre Stiefel und öffnete die Tür.
Die Nachtluft roch nach feuchtem Gras, Schlafblumen und ein bisschen nach Abenteuer.
Fips tapste neben ihr her. Sein Schwanz leuchtete jetzt etwas heller.
„Das ist seltsam“, murmelte er.
„Was meinst du?“
„Mein Schwanz leuchtet, aber nicht wie bei einem Wunsch.“
Fina blieb stehen.
„Wie dann?“
Fips drehte sich einmal um sich selbst, um seine Schwanzspitze besser sehen zu können.
„Mehr wie … wenn jemand etwas sucht.“
Fina sah zum Sternensee.
„Vielleicht sucht der See sein Licht.“
Der Weg führte sie durch den Garten, vorbei an den Mondblumen und den kleinen Grashalmen, an denen Tautropfen wie winzige Glasperlen hingen. In der Ferne rauschte der Flüsterwald leise. Er klang heute nicht geheimnisvoll, sondern beinahe besorgt.
„Hörst du das?“, fragte Fina.
Fips spitzte die Ohren.
Aus den Bäumen kam ein leises Flüstern.
Der See träumt nicht.
Der See träumt nicht.
Der See träumt nicht.
Fips rückte näher an Fina heran.
„Ich finde, der Wald könnte ruhig auch mal etwas Fröhliches flüstern. Zum Beispiel: Hier entlang zu den Keksen.“
Fina lächelte, aber ihr Herz klopfte schneller.
„Der See träumt nicht“, wiederholte sie leise. „Vielleicht ist das sein Problem.“
Sie gingen weiter, bis der Pfad sich öffnete und der Sternensee vor ihnen lag.
Sonst war das Wasser voller kleiner Lichter. Jeder Stern am Himmel hatte dort unten einen funkelnden Zwilling. Doch heute spiegelten sich nur wenige Punkte im See. Die Oberfläche war glatt und dunkel, als hätte jemand eine Decke aus Schatten darübergelegt.
Am Ufer saß ein kleines Wesen.
Es war kaum größer als Finas Hand. Es hatte runde Schultern, dünne Ärmchen und einen Kopf, der aussah wie ein Tropfen Mondlicht. Sein Körper schimmerte blassblau.
Fina kniete sich vorsichtig hin.
„Hallo“, sagte sie sanft.
Das kleine Wesen zuckte zusammen.
Fips versteckte sich halb hinter Fina, streckte aber neugierig die Nase hervor.
„Bist du ein Wassertropfen?“, fragte er.
Das Wesen sah ihn mit großen, traurigen Augen an.
„Ich bin Nelli“, flüsterte es. „Ein Seelicht.“
„Ein Seelicht?“, fragte Fina.
Nelli nickte.
„Wir Seelichter hüten die Träume im Sternensee. Jede Nacht tragen wir die Sterne ins Wasser, damit Kinder schöne Träume finden können, wenn sie schlafen.“
Fina blickte über den dunklen See.
„Aber heute leuchtet er kaum.“
Nellis Unterlippe bebte.
„Weil das Herzlicht verschwunden ist.“
Fips’ Ohren stellten sich auf.
„Das klingt wichtig.“
„Das ist es“, sagte Nelli. „Das Herzlicht liegt normalerweise tief unten im Sternensee. Es erinnert alle kleinen Lichter daran, dass sie leuchten dürfen. Ohne es werden sie müde. Und wenn die Seelichter müde werden, bleiben die Träume grau.“
Fina spürte einen kleinen Stich in der Brust.
„Weißt du, wo das Herzlicht ist?“
Nelli schüttelte den Kopf.
„Es ist nicht einfach weg. Ich glaube, es hat sich versteckt.“
„Warum sollte sich ein Licht verstecken?“, fragte Fips.
Nelli sah auf ihre kleinen Hände.
„Vielleicht, weil niemand bemerkt hat, dass es selbst auch manchmal müde ist.“
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Sogar der Wind hielt den Atem an.
Fina setzte sich neben Nelli ans Ufer.
„Dann müssen wir es suchen“, sagte sie.
Fips nickte mutig. „Genau. Wir sind sehr gut im Suchen.“
Fina sah ihn an.
„Du suchst meistens Kekse.“
„Übung ist Übung.“
Nelli sah die beiden vorsichtig an.
„Ihr würdet wirklich helfen?“
„Natürlich“, sagte Fina.
Fips trat vor und hob die Schnauze.
„Fina und Fips lassen kein Licht allein. Nicht einmal eins, das sich versteckt.“
Da wurde Nelli ein kleines bisschen heller.
„Dann müsst ihr über den See“, sagte sie. „Zur Insel der leisen Spiegel.“
Fips schaute auf das Wasser.
„Über den See?“
„Ja.“
„Mit einem Boot?“
Nelli zeigte auf ein kleines Blatt, das am Ufer lag. Es war groß wie eine Badewanne und schimmerte silbern.
Fips starrte es an.
„Das ist kein Boot. Das ist Salat.“
Fina kicherte.
Nelli lächelte zum ersten Mal.
„Es ist ein Mondblatt. Es trägt alle, die vorsichtig sind.“
Fips trat näher an das Blatt und stupste es mit der Pfote an.
„Und was ist mit Füchsen, die manchmal Kekse essen und nicht immer vorsichtig sind?“
„Die auch“, sagte Nelli. „Wenn sie ein gutes Herz haben.“
Fips stellte sich stolz aufrecht hin.
„Das habe ich. Ein sehr gutes sogar. Nur manchmal hungrig.“
Fina stieg zuerst auf das Mondblatt. Es schwankte nur ein wenig. Dann setzte sich Fips ganz vorsichtig neben sie, so steif, als wäre er plötzlich aus Holz.
Nelli schwebte über dem Wasser vor ihnen her.
Das Mondblatt glitt los.
Ganz leise.
Über den dunklen Sternensee.
Unter ihnen bewegte sich das Wasser kaum. Nur ab und zu huschte ein blasses Licht tief unten vorbei. Es sah aus wie ein müder Fisch aus Sternenstaub.
Fips schaute nicht nach unten.
„Ich schaue nur deshalb zum Himmel“, erklärte er, „weil oben viel interessanter ist.“
Fina lächelte und legte ihm eine Hand auf den Rücken.
„Du machst das gut.“
„Ich weiß“, sagte Fips schnell. „Sehr gut. Fast heldenhaft.“
Da begann seine Schwanzspitze stärker zu leuchten.
Ein goldener Schimmer fiel auf die Wasseroberfläche. Sofort erschien darin ein Bild.
Fina sah eine kleine Laterne.
Dann eine dunkle Höhle.
Dann ein Licht, das sich immer kleiner machte.
Nelli blieb stehen.
„Das ist es“, flüsterte sie. „Das Herzlicht.“
„Es versteckt sich in einer Höhle?“, fragte Fina.
„In der Tiefe unter der Insel der leisen Spiegel“, sagte Nelli.
Fips schluckte.
„Tiefe ist ein sehr tiefes Wort.“
Das Mondblatt erreichte die Insel.
Sie war klein und rund. Auf ihr wuchsen silberne Gräser, die sich im Wind bewegten, obwohl kein Wind wehte. Überall lagen flache Steine, glatt wie Spiegel. Jeder Stein zeigte etwas anderes.
Fina sah in einem Stein ihre Funkelhütte.
In einem anderen den Wunschbaum.
In einem dritten sah sie sich selbst, wie sie neben Fips am Fenster saß.
Fips beugte sich über einen Stein.
„Oh“, sagte er. „Der zeigt mich mit einem riesigen Traumkeks.“
Fina schaute hinein.
Der Stein war leer.
„Fips.“
„Vielleicht ist es ein Zukunftsspiegel.“
Fina schüttelte lächelnd den Kopf.
Nelli führte sie zu einem großen Spiegelstein in der Mitte der Insel. Er war dunkler als die anderen. In seiner Oberfläche bewegte sich ein kleiner goldener Punkt.
„Dort unten ist der Eingang“, sagte Nelli.
Fina kniete sich hin.
„Wie kommen wir hinein?“
„Man muss ehrlich sagen, wonach man sucht“, erklärte Nelli.
Fips trat vor.
„Wir suchen das Herzlicht.“
Nichts geschah.
Nelli schüttelte den Kopf.
„Nicht nur mit Worten. Mit dem Herzen.“
Fina legte ihre Hand auf den Spiegelstein. Er war kühl.
Sie schloss die Augen.
„Wir suchen das Herzlicht, weil der Sternensee ohne es nicht träumen kann“, sagte sie. „Und weil jedes Licht jemanden braucht, der merkt, wenn es müde ist.“
Der Stein begann zu schimmern.
Fips legte vorsichtig seine Pfote daneben.
„Und weil niemand sich verstecken soll, nur weil er nicht immer hell sein kann“, sagte er leise.
Fina öffnete die Augen und sah ihn überrascht an.
Fips blickte auf seine Pfoten.
„Was?“, murmelte er. „Auch Füchse wissen wichtige Dinge.“
Da wurde der Spiegelstein weich wie Wasser. In seiner Mitte öffnete sich ein leuchtender Kreis.
Eine Treppe aus Mondlicht führte hinab.
Fips sah in die Tiefe.
„Natürlich“, sagte er. „Eine Treppe nach unten. Warum nie eine Treppe zu einem Kekszimmer?“
Fina nahm sein Pfötchen.
„Komm.“
Gemeinsam stiegen sie hinab.
Die Treppe führte nicht wirklich unter Wasser, obwohl sie mitten im See lag. Um sie herum schwebten Blasen, kleine Sternensplitter und winzige Traumfische. Alles war blau und silbern und leise.
Unten fanden sie eine Höhle.
In der Mitte der Höhle stand eine kleine Laterne.
Sie war wunderschön. Ihr Glas war rund und klar, ihr Rahmen aus goldenen Linien gemacht. Doch das Licht darin war kaum noch zu sehen.
Es hatte sich ganz in die hinterste Ecke der Laterne zurückgezogen.
Fina ging langsam näher.
„Hallo“, sagte sie.
Die Laterne flackerte schwach.
Fips setzte sich neben Fina.
„Wir sind nicht hier, um dich zu erschrecken“, sagte er. „Nur um dich zu finden.“
Aus der Laterne kam eine leise Stimme.
„Warum?“
Fina hielt den Atem an.
„Weil du fehlst.“
„Ich fehle nur, wenn ich leuchte“, flüsterte die Stimme. „Wenn ich müde bin, bin ich nicht wichtig.“
Finas Herz wurde schwer.
Sie kniete sich vor die Laterne.
„Das stimmt nicht.“
Das Licht schwieg.
Fina sprach weiter, ganz sanft.
„Du bist nicht nur wichtig, wenn du hell bist. Du bist auch wichtig, wenn du müde bist. Und du darfst ruhen.“
Die Laterne flackerte.
Fips rückte näher.
„Ich bin auch manchmal müde“, sagte er. „Dann tue ich so, als müsste ich die Fensterbank bewachen. Aber eigentlich brauche ich nur Nähe.“
Fina sah ihn liebevoll an.
„Und Kekse“, fügte Fips hinzu.
Das kleine Licht in der Laterne bewegte sich ein Stück nach vorn.
„Aber wenn ich ruhe, wird der See dunkel.“
Nelli schwebte näher heran. Ihre Augen glänzten.
„Wir hätten besser auf dich achten müssen“, sagte sie. „Wir haben immer nur gesehen, wie schön du leuchtest. Nicht, wie viel Kraft dich das kostet.“
Die Höhle wurde ganz still.
Dann fragte das Herzlicht leise:
„Darf ein Licht auch klein sein?“
Fina nickte.
„Ja.“
Fips nickte noch heftiger.
„Natürlich. Kleine Lichter sind oft die gemütlichsten.“
„Und wenn ich nicht sofort wieder hell werde?“
„Dann bleiben wir bei dir“, sagte Fina.
Das Herzlicht flackerte.
Einmal.
Zweimal.
Dann wurde es nicht plötzlich riesengroß.
Es explodierte nicht in tausend Strahlen.
Es wurde einfach ein kleines bisschen wärmer.
Gerade genug, um die Gesichter von Fina, Fips und Nelli golden zu färben.
Fina lächelte.
„Siehst du? Das reicht für den Anfang.“
Fips betrachtete die Laterne ernst.
Dann schob er seine leuchtende Schwanzspitze vorsichtig näher.
„Du kannst ein bisschen von meinem Licht haben“, sagte er.
Das Herzlicht zögerte.
„Verlierst du es dann nicht?“
Fips dachte nach.
„Das habe ich mich gestern auch gefragt. Aber der Wunschbaum hat gesagt, wenn man Licht teilt, wird die Welt heller.“
Fina nickte.
„Und dein Licht bleibt trotzdem deins.“
Fips’ Schwanzspitze begann warm zu funkeln. Ein kleiner goldener Funke löste sich davon und schwebte zur Laterne.
Das Herzlicht berührte ihn.
Plötzlich begann die ganze Höhle sanft zu glühen.
Nicht blendend.
Nicht laut.
Sondern ruhig und warm.
Wie eine Umarmung aus Licht.
Nelli lachte leise. Es klang wie Wasser, das über glatte Steine springt.
„Es kommt zurück.“
Das Herzlicht wurde heller. Es füllte die Laterne aus und strahlte durch das Glas. Dann hob sich die Laterne langsam vom Boden und schwebte zur Höhlendecke.
Über ihnen öffnete sich ein Kreis aus Wasser und Sternen.
Das Licht stieg hinauf.
Fina, Fips und Nelli folgten über die Mondlichttreppe zurück zur Insel.
Als sie oben ankamen, sahen sie, wie das Herzlicht in die Mitte des Sternensees sank.
Für einen Moment war alles dunkel.
Dann begann tief unter der Wasseroberfläche ein goldener Punkt zu glimmen.
Er wurde größer.
Und größer.
Ein Lichtkreis breitete sich im See aus. Die müden Sternenfische erwachten und zogen silberne Spuren durch das Wasser. Die Seelichter erschienen überall am Ufer, erst eines, dann zehn, dann hundert.
Der Sternensee spiegelte wieder den Himmel.
Nein, mehr noch.
Er funkelte, als hätte die Nacht ihr schönstes Geheimnis hineingelegt.
Fina atmete auf.
„Er träumt wieder.“
Nelli strahlte.
„Ja.“
Fips schaute in das Wasser. Dieses Mal hatte er keine Angst, nach unten zu sehen.
In der Oberfläche erschien ein Bild.
Ein Kind lag in einem Bett, die Augen geschlossen. Über ihm schwebte ein Traum aus Sternen, einem kleinen Fuchs und einem warmen Licht am Fenster.
Fips setzte sich stolz auf.
„Das bin bestimmt ich.“
Fina lächelte.
„Bestimmt.“
Nelli schwebte vor Fina und Fips.
„Danke“, sagte sie. „Ihr habt nicht nur das Herzlicht gefunden. Ihr habt ihm zugehört.“
Fina sah zum See.
„Manchmal ist Zuhören wichtiger als Suchen.“
Fips nickte.
„Und manchmal ist Suchen wichtiger als Schlafen.“
Er gähnte so breit, dass seine kleine Fuchszunge zu sehen war.
„Aber nur manchmal.“
Nelli lachte. Dann schenkte sie Fina eine winzige Perle aus Seelicht. Sie war kaum größer als ein Tautropfen und leuchtete von innen heraus.
„Für dein Sternenlicht-Glas“, sagte sie. „Falls ihr einmal eine dunkle Nacht habt.“
Fina nahm die Perle vorsichtig entgegen.
„Danke.“
Das Mondblatt brachte sie zurück ans Ufer. Diesmal saß Fips nicht mehr steif wie ein Holzfuchs. Er schaute über den See, in dem die Sterne tanzten.
„Fina?“
„Ja?“
„Glaubst du, mein Licht darf auch manchmal klein sein?“
Fina blieb stehen.
Dann kniete sie sich zu ihm hinunter.
„Natürlich, Fips.“
Der kleine Fuchs sah auf seine Schwanzspitze. Sie leuchtete nur noch schwach.
„Auch wenn ich sonst der mutige Funkelfuchs bin?“
Fina streichelte sanft über sein weiches Fell.
„Gerade dann.“
Fips lehnte seinen Kopf an ihre Schulter.
„Gut“, murmelte er. „Dann bin ich heute ein müder Funkelfuchs.“
„Das ist auch schön.“
Gemeinsam gingen sie zurück zur Funkelhütte. Hinter ihnen leuchtete der Sternensee wieder hell und friedlich. Der Flüsterwald rauschte nun viel freundlicher.
Der See träumt.
Der See träumt.
Der See träumt.
In der Funkelhütte stellte Fina die kleine Seelichtperle in ihr Sternenlicht-Glas. Sofort füllte ein sanfter goldener Schein das Zimmer.
Fips kletterte auf die Fensterbank und rollte sich auf Finas Decke zusammen.
„Fina?“
„Ja?“
„Falls morgen wieder etwas gerettet werden muss …“
„Ja?“
„Dann sollten wir vorher mehr Traumkekse backen.“
Fina lachte leise.
„Das machen wir.“
Sie setzte sich neben ihn und sah hinaus. Der Sternensee schimmerte in der Ferne wie ein ruhiges Herz aus Licht. Darüber funkelten die Sterne, und einer von ihnen schien besonders warm zu leuchten.
Vielleicht war es der Wunsch von gestern.
Vielleicht war es ein Traum von heute.
Vielleicht war es einfach ein kleines Zeichen, dass kein Licht immer hell sein muss, um wichtig zu sein.
Fips gähnte und legte seine Schnauze auf die Pfoten.
„Gute Nacht, Sternensee“, murmelte er.
Fina flüsterte:
„Gute Nacht, kleines Herzlicht.“
Und in dieser Nacht träumte ganz Sternenwinkel besonders schön.
Funkelbotschaft
Auch ein Licht darf müde sein.
Du bist nicht nur wichtig, wenn du stark bist, hell leuchtest oder alles schaffst.
Du bist auch wichtig, wenn du Ruhe brauchst.

